Nach dem wunderschönen Wochenende in Can Tho ist die darauf folgende Woche natürlich wie im Flug vergangen und eh ich mich versah war es schon wieder Freitag geworden, an den ich mich gerne erinnern werde. Ein Arbeitskollege lag mir seit Tagen in den Ohren, dass wir doch mal Kochen könnten, er hätte so Lust auf Kartoffelsalat. Das habe ich natürlich gerne aufgenommen, da mir die Meeresfrüchte jetzt langsam langweilig werden und ich auch Lust auf „gute deutsche“ Küche hatte. Wir sind also einkaufen gewesen und haben aus einem großen Berg Kartoffeln einen schönen Salat gezaubert. Dazu gab es noch Würstchen, die wirklich genießbar waren. Jetzt lohnt sich der Aufwand ja nicht nur für zwei, also haben wir schnell noch ein paar Kollegen und Kolleginnen eingeladen. Das ganze kam so gut an, dass wir jetzt jeden Freitagabend zusammen kochen und uns mit den Gerichten abwechseln. Über unsere vietnamesischen Kontakte kriegen wir auch sehr frisches Fleisch, nur mit Gewürzen müssen wir immer ein wenig experimentieren, da es kaum Gewürze als Pulver gibt und man alles mit frischem Grünzeug abschmecken muss. Das Sahnehäubchen für diesen ersten Freitag war, dass mein Kollege die Reste unseres Kartoffelsalat am nächsten Morgen zur Arbeit mitgenommen und dem Koch in der Kantine das Rezept erklärt hat, so dass es jetzt ab und zu „unseren“ Kartoffelsalat als Mittagsbeilage gibt. Ich war an diesem Samstag leider nicht dabei, da ich die Ruhe auf der Arbeit genutzt habe, um noch einmal nach Saigon zu fliegen.
Aufenthalt in Saigon.
Am Samstagmorgen bin ich mit Matze und Ralf nach Saigon geflogen. Matze wird jetzt auf eine andere Baustelle gehen und so konnten wir noch ein gemeinsames Wochenende in der Metropole genießen.
Diesmal haben wir uns ein Hotel neben dem Ben Than Market gesucht, da es von dort nicht weit zum Backpackerviertel ist. Auf dem Bild seht ihr die Fensterputzer, die noch schnell unser Hotel poliert haben. Der Markt nebenan ist eine riesige Markthalle, in der es alles zu kaufen gibt, in der esmir es aber zu eng und zu stickig ist. Abends werden dann in den anliegenden Straßen auch noch Stände aufgebaut. Dafür hängen mitten auf der Straße einfach Steckdosen von der Decke (siehe Foto unten). Der Samstag war mit Shoppen und durch die Stadt bummeln voll ausgefüllt und ich bin um einen „originalen“ Rucksack von Jack Wolfskin reicher. Hier macht keiner einen Hehl daraus, dass alles gefälscht ist und es heißt immer „same same but different“. Abends waren wir dann so müde, dass wir die Verabredung mit den Kopfkissen um zwei Stunden nach vorne verlegt haben. Die Folge war natürlich, dass wir alle am Sonntagmorgen sehr früh ausgeschlafen waren und mit der ganzen Zeit gar nicht so richtig anzufangen wussten. Mittags, nachdem Ralf seine neue Digitalkamera gekauft hatte, kam uns dann die Idee doch in einen „Waterpark“ zu fahren und unsere frisch erworbenen Badehosen einzuweihen.
Natürlich ist so ein Freibad mit 15 unterschiedlichen Rutschen eher was für die jüngere Generation, doch wir hatten sehr viel Spaß und waren natürlich eine Attraktion, da es sonst fast keine Ausländer gab. Fazit: Um ein ordentliches Wettrutschen zu veranstalten braucht es nicht viel Verständigung. Nach diesem anstrengenden Nachmittag sind wir abends zu einem sehr guten indischen Restaurant und haben anschließend den Tag bei Wodka und frisch gepresstem Zuckerrohrsaft an einem Straßenstand im Backpackersviertel ausklingen lassen. Dort kommt man mit jedem ins Gespräch und die Musik , die aus den Kneipen auf die Straße klingt ist für westliche Ohren wirklich angenehmer.Apropos Musik… ein paar Worte zur vietnamesischen Musikkultur:
Es gibt in eigentlich zwei Richtungen. Wie ich in einem meiner ersten Posts schon berichtete, wird in der Disko hauptsächlich extralaute Technomusik gespielt. Bitte nagelt mich jetzt nicht an diesem Ausdruck fest, aber ich habe bis heute nicht verstanden, was der Unterschied zwischen Dance, Trance, House, Techno, Tekkkno und Gabba ist. Also meistens ist es spielen die DJs irgendeinen bekannten Hit, zum Beispiel von Eminem, der dann so lange durch den Magic-music-maker 3.1 von 1995 geprügelt wurde, bis die Beats so laut sind, dass einem fast die Ohren abfallen. Als Rausschmeißer wird dann ein vietnamesischer Schmusesong gespielt, wo man dann entweder zum Bier oder zur Bedienung greift, also ich dann zum Bier.
Man muss natürlich nicht in die Disko gehen, sondern kann sich auch sehr gut in einer Karaokebar vergnügen. Wobei das Wort „vergnügen“ da etwas weit gefasst ausgelegt werden muss.
Ein kleiner Einschub für die Musiktheoretiker unter uns: Wie hieß noch mal der Fachausdruck für die belebende Tonfolge bei der die Halbtonschritte zwischen dem dritten und vierten und dem siebten und achten Ton liegen?
Die Musik, die hier im Radio läuft und dann auch in der Karaokebar wiedergegeben wird ist wirklich zum depressiv werden und es ist nicht immer schön. Trotzdem will ich hier betonen, dass die Vietnamesen, die ich singen gehört habe, alles sehr gut gesungen haben und ich keine Ohrenschmerzen hatte. In der letzten Woche war ich mit Ralf und Thao bei einem Restaurant, in dem zum Jahrestag eines sehr bekannten vietnamesischen Sängers die Lieder von professionellen Sängern nachgesungen wurden. Ich fand es sehr schön und sobald ich es schaffe, mp3s in meinen Blog einzubauen, werdet ihr auch daran teilhaben dürfen.
Ein Stück Lebensqualität:
Seit Sonntag bin ich stolzer Besitzer eines Mofas. Naja, es gehört mir nicht, sondern Raik, einem Kollegen, der im Urlaub ist und selbst der hat es sich nur geliehen. Aber ich darf es für die nächsten drei Wochen fahren.
Endlich nicht mehr vor dem Appartementhaus stehen und auf einen Siemens-Busfahrer warten, der seine Güte mit der Freundlichkeit in Einklang gebracht hat und bereit ist, mich in die Stadt zu fahren. Endlich nicht mehr ein Taxi nehmen müssen und auch nicht mehr auf einem Motorbike mitgenommen werden, weil mal wieder kein Taxi zur Hand ist. Natürlich fahre ich sehr vorsichtig, aber nachdem ich mich an die Gangschaltung gewöhnt hatte und nun im Strom der Rollerfahrer mitschwimmen kann ist es gar kein Problem. Ja, es ist nicht erlaubt, aber die 80 Cent Strafe werde ich dann gerne in Kauf nehmen. Es ist so schön….
Am Sonntag war ich hier bei einem Schneider und habe ein Oberhemd und eine Hose in Auftrag gegeben. Den Stoff musste ich mir vorher bei einem Stoffhandel besorgen und nun bin ich gespannt, wie das aussehen wird. Wenn es gut wird, dann kann sich der Schneider über Folgeaufträge freuen, denn es ist echt schwierig eine Hose in meiner Größe zu bekommen. Langsam sollte ich mir auch Gedanken über passende Kleidung während der Regenzeit machen. Es sind zwar noch zwei Monate Zeit, aber am Samstag gab es den ersten richtigen Schauer und es war wirklich viel Wasser überall oder um einen berühmten Film der 90er, indem auch viel über die Zubereitung von Shrimps erzählt wird, sinngemäß zu zitieren: „In Vietnam regnete es ständig. Der Regen kam von oben, von links, von rechts und von unten“.
Wenn ihr jetzt wisst, welche Tonleiter ich suche und wie der Film heißt, dann habt ihr wirklich bis zum Ende diesen Blog gelesen. Jetzt quält euch noch durch ein paar Zeilen über meine Arbeit und ihr habt es gleich geschafft.
Ich habe zurzeit die Hauptaufgabe, aus der Leittechnik Werte für die Abschlussdokumentation des ersten Kraftwerkes rauszusuchen. Das ist für mich noch spannend, da ich mit Mess-, Steuer- und Regelungstechnik noch nicht viel zu tun hatte. Zusätzlich muss ich die Arbeit der Montage prüfen, dass heißt, ich bekomme ein Abschlussprotokoll zum Beispiel vom Rohrleitungsbau und muss dann alles abgehen und hinterher bestätigen, dass es vernünftig montiert wurde. Klingt sehr einfach, ist aber schon verantwortungsvoll, denn wenn eine Leitung reißt, dann steht da mein Name drunter. Deshalb bin ich auch sehr penibel und ziehe oft den Ärger der Monteure auf mich, aber so ist da nun mal. Da ich ja vorher auch bei ihnen gesessen habe, kann ich ganz gut mit denen.
Jetzt wisst ihr fast so viel wie ich über meine letzten drei Wochen und ich habe wunde Finger.
Schönen Tag bis bald…

6 Kommentare:
Wo sind die Bilder von der Moffa? Fette Küsse und liebe Grüße aus Akroland!
Habe ich mich bis jetzt für einen Musiktheoretiker gehalten, aber was das für eine Tonleiter sein soll, kann ich mir gar nicht vorstellen. Früher hat man solche Tonfolgen mit "Zigeuner"Leitern tituliert, aber ob die bis nach Vietnam gekommen sind? Zum Film mit Shrimps und Regen fällt mir gar nichts ein. Wahrscheinlich war ich zu der Zeit nicht im Kino, weil ich auf die Kinder aufgepasst habe?? Habe mich über den Bericht sehr gefreut und würde dich natürlich auch gerne auf einem fernöstlichen Moffa sehen! Gruß, OldDad
Danke der Nachfrage. Jetzt habe ich schon zehnmal nachgezählt und mich doch vertan. Bei Dur ist der Halbton ja zwischen dem dritten und vierten. Der Post ist also korrigiert. Den Film kennst du aber ganz bestimmt und ich meine, dass du ihn sogar als Video hast. Mofabild muss ich noch machen. Gruß aus Fernost
Hi Flo, schick mal Photos von dem "bike" (...)! Am Besten wenn Du draufsitzt !
Ja, wenn Du drauf sitzt und eine komplette vietnamesische Familie!
Yeah, ich kenn den Film :)
Anyway, like I was sayin', shrimp is the fruit of the sea. You can barbecue it, boil it, broil it, bake it, saute it. Dey's uh, shrimp-kabobs, shrimp creole, shrimp gumbo. Pan fried, deep fried, stir-fried. There's pineapple shrimp, lemon shrimp, coconut shrimp, pepper shrimp, shrimp soup, shrimp stew, shrimp salad, shrimp and potatoes, shrimp burger, shrimp sandwich. That- that's about it.
Freut mich, Deine spannenden Berichte zu lesen :)
Viele liebe Grüsse aus Paris
Anja
Kommentar veröffentlichen