Dienstag, 24. Juni 2008

Ein wenig Luxus muss sein...

Wenn ich hier in der Regenzeit am Ende der Welt sitze, dann kommen mir doch manchmal folgende Gedanken:
Ich habe keine Bar - wie das Latitude in Orlando, ich habe keine Löwen und Elefanten - wie in Südafrika, ich habe kein Schäufele - wie in Erlangen und ich habe keinen Eiffelturm - wie in Paris.

(Einschub für Wissen, das keiner braucht: Eine Brücke in Hanoi wurde auch von Alexandre Gustave Eiffel konstruiert und sieht aus, wie ein umgekippter Eiffelturm)

Aber ich habe etwas, was das alles in den Schatten stellt: MEINEN FRISEUR
Mädels locker bleiben, es ist nicht Ken Pavés, der Kollege aus Hollywood, es ist ein durchschnittlicher Barbershop (Hot toc) in einer vietnamesischen Kleinstadt. Was macht ihn nur so besonders? Okay, alles der Reihe nach.

Ich betrete den Laden, der aus einen Vorderraum und einem Hinterzimmer besteht. Vorne werden die Haare geschnitten, hinten gewaschen. Also jetzt auf die Räume und nicht auf meinen Kopf bezogen. Sonst würde ich ja wie mein lieber Kollege Volker aussehen. Angekommen werde ich sehr freundlich von den Damen, die für das Waschen zuständig sind, begrüßt und kann zwischen den unterschiedlichen Produkten des Hauses wählen. Da gibt es Haare schneiden, waschen (inklusive Kopfmassage), Bart rasieren, Gesicht waschen (inklusive Gesichtsmassage), Ohrreinigung und das Angebot, sich die weißen Haare entfernen zu lassen. Die Offerte, sich die Haare schneiden zu lassen führt zum neusten Trend, da der Chef des Hauses den so genannten Kopfhörer - Haarschnitt kreiert hat. Das heißt, es wird alles um Ohren herum weggeschnitten, bis man sich einen riesigen Kopfhörer aufsetzen könnte, der sich dann ohne Haarkontakt an die Kopfhaut anschmiegt. Im Fachjargon wird es auch Radkasten genannt. Ich berichte lieber von meinem Lieblingspaket: Haarewaschen und Rasieren mit anschließender Ohrpflege.
Es fängt damit an, dass ich mir die Schuhe ausziehen muss und mich auf eine Liege lege. Dann bekomme ich ein Kissen auf den Bauch und ein Kunststoffpolster unter den Kopf. In dieser Position lässt es sich aushalten. Dann wird mit angenehm temperiertem Wasser der Kopf gewaschen und massiert. Alles sehr liebevoll und so, dass sich der ganze Körper entspannt. Weiter geht es mit der Gesichtspflege. Da die Vietnamesen Haare als unrein empfinden und man mit dem Lied: "Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär" auch keinen Erfolg haben wird, wird alles wegrasiert und gestutzt, gezupft und gezogen, bis mein juveniles Gesicht wieder zum Vorschein kommt. Wenn ich aufgrund der großen emotionalen Belastung (die Fußball EM) mehr Ringe als Augen habe, wird mir ein gekühltes Tüchlein auf die Schaufenster gelegt. Sollte es zu Hautirritationen kommen wird flux eine Gurke geschält und mein Gesicht damit bedeckt und mit Eiswasser gekühlt. Anschließend kommt das Waschen und die Massage. Ich wusste gar nicht, wie entspannend eine Gesichtsmassage sein kann. Wahrscheinlich auch, weil ich alle meine Sachen anhabe und keine Angst haben muss, eindeutige Angebote des horizontalen Gewerbes zu bekommen (siehe Blog im Februar). Der Nacken wird natürlich auch massiert und der Kopf ein zweites Mal gewaschen und geknetet. Dann das Highlight: Die Ohrpflege!
Mit Werkzeug und Beleuchtung eines Uhrmachermeisters des Hauses Lange & Söhne wird das Ohr behandelt. Also erst ist es ungewohnt, aber wenn man es mag und ich mag es, ist es wunderbar entspannend. Nebenbei bemerkt ist es auch nicht so gefährlich, wie das Ausbrennen der Ohrhaare, wie ich es bei einem türkischen Friseur mitmachen durfte. Das ganze findet in sehr lockerer Atmosphäre statt, da es immer einen Grund zu lachen gibt. Mal ist es die Liege, die zu kurz ist, mal der Inhalt, meiner Einkauftüten, die ich mitbringe, mal meine Nase, die zu lang ist oder irgendetwas, was ich mal wieder nicht verstehe. Abschließend darf ich mich aufrichten und mir werden nocheinmal kurz die Schultern und der Rücken massiert. Über den Preis brauche ich ja keine Worte zu verlieren, so dass mein Trinkgeld auch schon mal höher ausfallen kann.
Endlich habe ich eine Möglichkeit gefunden, dem Rasieren zu entgehen, eine kleine seriöse Massage zu bekommen und den Alterserscheinungen im Gesicht aktiv entgegenzuwirken.
Jetzt habe ich aber doch noch eine Frage, die mir im Kopf rumschwirrt: Was ist eigentlich nochmal Metrosexualität?
Bemerkung zum Schluss: Das Foto und der Verweis auf Volkers Frisur ist nicht dazu gedacht, mich über ihn lustig zu machen. Ich komme sehr gut mit ihm aus und seine Frau gewinnt sehr gerne gegen mich im Billard...Monika, wir sehen uns am Tisch.
Genießt eure Zeit und denkt an meinen Friseur, wenn ihr ein Schäufele esst, am Eiffelturm steht, die Löwen in Südafrika beobachtet oder im Latitude den Piano man von Billy Joel hört. Lasst es euch gutgehen

4 Kommentare:

Angelika hat gesagt…

...ein Traum wird wahr bei dem Friseur ! Wahnsinn, sollte ich mal hin, vielleicht kann der auch Falten wegbügeln ! Klasse metrosexuell zu sein, gell Flo ?
LG aus Erlangen !

Anonym hat gesagt…

Ok, das mit Paris beziehe ich dann mal auf mich und nehme es mir zu Herzen :)

Werde heute abend an Deinen Friseur denken, wenn ich vom Balkon aus dem Eiffelturm gute Nacht sage :)

LG Anja

Feli hat gesagt…

Wellness für Mira und Schmidty: Frikadellen essen bei Vatter. Ich freue mich, Dich bald wiederzusehen! Küsse von der Siz!

Flo hat gesagt…

Liebe Kommentarschreiber,
danke für eure Reaktionen. Ich freue mich immer doppelt, wenn ich einen Kommentar lesen kann und versuche natürlich euch mit meinen Erlebnissen in Bezug zu setzen, damit ihr euch das hier vielleicht noch besser vorstellen könnt.
Imposantes wird folgen....